Selbsthilfegruppe für Alkoholabhängige, deren Partner und Angehörige
Geht es Euch/Ihnen auch so?: Als Alkoholabhängiger und Mitglied eines Selbsthilfevereins bleiben beim Blättern in den Zeitungen und Zeitschriften meine Augen beim "Querlesen" automatisch an Artikeln, Meinungen und Berichten zur Suchtproblematik hängen.
So ging es mir auch, als ich unlängst im Lipperland bei Freunden unserer Partnergruppe in Lage zu Gast sein durfte. Sofort blieb mein Blick auf die Überschrift: "Das Prinzip Belohnen- innovativer Therapieansatz für Suchtkranke in Bethel vorgestellt/Weg vom Postulat der Abstinenz"
Im benannten Artikel werden dann Meinungen von mehr oder weniger bekannten Ärzten und Suchttherapeuten wiedergegeben, z.B.: "Man muss nicht die totale Abstinenz als einziges Ziel ausgeben, eine Konsumreduktion ist auch ein Erfolg für die Süchtigen und deren Angehörige". Als Belohnung, die zu Verhaltensänderungen führen können, werden vermeintliche banale Ziele angeführt: die Aussicht auf eine eigene Wohnung, die Perspektive auf einen Arbeitsplatz oder die Möglichkeit, die eigenen Kinder besuchen zu können.
Die Diskussion um das kontrollierte Trinken ist ja nicht neu, widerspricht aber den Erfahrungen der meisten Betroffenen und der Selbsthilfebewegung. Sicher kann die Konsumreduzierung beim Prozess der Krankheitseinsicht eine wichtige Rolle spielen und vielleicht für jugendliche Gefährdete ein Alternative zur Abstinenz sein, meine vielen Freunde in der Selbsthilfebewegung und ich persönlich haben aber noch keinen Alkoholabhängigen kennen gelernt, der wieder kontrolliert trinken konnte.
Wenn also die Erfahrungen der "Hilfe zur Selbsthilfe" hinsichtlich der Alkoholabstinenz für alkoholkranke Menschen als "Postulat" abgewertet wird, ist der Therapieansatz in Richtung Konsumreduktion mittels Belohnungsprinzip zumindestens auch nur ein Postulat. Denn was war doch gleich ein Postulat?
"Ein Postulat (von lat.: postulatum = „Forderung“) ist ein Grundsatz, den man akzeptieren kann oder nicht. Derjenige, der in einer Diskussion etwas postuliert, stellt eine ihm plausibel erscheinende These auf und „fordert“ deren Anerkennung, ohne sie beweisen zu können."