Freundeskreis Oberland e.V.

Selbsthilfegruppe für Alkoholabhängige, deren Partner und Angehörige

Wer sind wir . Gruppen . Suchtvorbeugung . Termine 2013 . Berichte 2013 . Archiv 2012 . Archiv 2011 . Archiv 2010 . Archiv 2009 . Archiv 2008 . Gruppe aktuell 1-08 . Fasching 08 . Winterwanderung 2008 . JHV 2008 . Gruppe aktuell 2-08 . Osterbastelei 08 . Ostermesse in Dresden . Osterwanderung . Bowlingpokal des Ehrenvorsitzenden . Gruppe aktuell 3-08 . Thematischer Gruppenabend . 15 Jahre Partnerschaft . Pfingstwanderung . Selbsthilfe und Sommerhitze . Themenabend . Trauer u. Hoffnung . Isergebirge im Herbst . Erfahrungsaustausch in Hoyerswerda . Kegelpokal 2008 . Weihnachtswünsche . Weihnachtsfeiern 2008 . Archiv 2007 . Archiv 2006 . Archiv 2005 .

-Rückblick und Fazit- 20 Jahre meiner Abstinenz sind untrennbar mit 15 Jahren Partnerschaft mit dem Freundeskreis Lage verbunden

In die Zeit unseres diesjährigen Besuches im Mai bei unseren Freundinnen und Freunden in Lage fällt ein für mich bedeutungsvolles Jubiläum: ich lebe seit 20 Jahre abstinent!
Lange habe ich überlegt, ob es gut und richtig ist, über diese Zeit der Abstinenz, mit der ja eine noch längere Zeit des Alkoholmissbrauches, des von mir nicht mehr zu kontrollierenden unmäßigen Trinkens und des Suchens nach einem Ausweg aus meiner Alkoholabhängigkeit, untrennbar verknüpft ist, zu schreiben.
Ich habe mich aus folgenden Gründen doch dazu entschlossen:
- manchmal höre ich die Meinung, das Betroffene, die am Anfang ihrer Abstinenz stehen, mutlos werden, wenn wir von unserer langjährigen zufriedenen Abstinenz sprechen. Aber zeigt eine langjährige Abstinenz nicht auch konkret, das sie möglich ist, aber nicht im Selbstlauf entsteht, sondern wir Betroffenen lebenslang daran arbeiten müssen? Sie zeigt auch, das 20 Jahre Abstinenz mehr beinhalten als 20 Jahre keinen Alkohol zu trinken. Letztendlich sei mir auch ein klein wenig Stolz auf das Erreichte vergönnt.
- Eine Erkenntnis aus der Zeit meiner Abstinenz ist auch, dass die Erinnerung an die Vergangenheit und deren Aufarbeitung für mich eine wesentliche Basis für eine künftige zufriedene Abstinenz war und ist.
- Die Wege in die Suchtmittelabhängigkeit und in eine zufriedene Abstinenz ähneln sich in wesentlichen Schritten und Abläufen, sind aber bei jedem Betroffenen individuell so verschieden, wie sich jeder einzelne Mensch vom anderen unterscheidet. Eine Stärke der Selbsthilfebewegung, der ich unendlich viel verdanke, ist doch der Austausch der ganz persönlichen positiven und auch schmerzhaften und bitteren Erfahrungen mit anderen Betroffenen.
- Tief verinnerlicht habe ich die Erkenntnis, das mich viele Menschen auf dem Weg zur Krankheitseinsicht und zu einer langjährigen zufriedenen Abstinenz ermuntert, begleitet und unterstützt haben. Es ist mir ein Herzensbedürfnis, diesen Menschen zu meinem zweiten „Geburtstag“ zu danken.

In diesem Jahr werde ich 65 Jahre und mein so genannter Ruhestand beginnt.
Vor 20 Jahren begann meine Abstinenz im Bautzener Krankenhaus als ich dort dank ärztlicher Mühen nach einem schlimmen Rückfall erwachte.
Vorausgegangen waren 1986 eine Therapie und danach eine abstinente Zeit von etwa16 Monaten. Vor meiner Therapie viele Jahre des unkontrollierten, zuletzt freudlosen Trinkens mit den Folgen des ständigen beruflichen und sozialen Abstieges, dem Zerfall der Familie und eine immer deutlichere Vereinsamung.
Wenn ich an diese Zeit zurückdenke, fällt mir immer wieder eine kleine Episode aus dem Büchlein „Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupery ein:

Den nächsten Planeten bewohnte ein Säufer. Dieser Besuch war sehr kurz, aber er tauchte den kleinen Prinzen in eine tiefe Schwermut.
„Was machst du da?“ fragte er den Säufer, den er stumm vor einer Reihe leerer und einer Reihe voller Flaschen sitzend antraf.
„Ich trinke“, antwortete der Säufer mit düsterer Miene.
„Warum trinkst du?“ fragte ihn der kleine Prinz.„Um zu vergessen“, antwortete ihn der Säufer.
Um was zu vergessen?“ erkundigte sich der kleine Prinz, der ihn schon bedauerte.
„Um zu vergessen, dass ich mich schäme“, gestand der Säufer und senkte den Kopf.
„Weshalb schämst du dich?“ fragte der kleine Prinz, der den Wunsch hatte, ihm zu helfen.
„Weil ich saufe!“ endete der Säufer und verschloss sich endgültig in sein Schweigen.
Und der kleine Prinz verschwand bestürzt.
Die großen Leute sind entschieden sehr, sehr wunderlich, sagte er zu sich auf seiner Reise.


Nach der Therapie erlebte ich mit Staunen die positiven Ergebnisse meiner Abstinenz, d.h. berufliche Fortschritte und auch im persönlichen Leben. Desto schlimmer war für mich der Rückfall im Frühjahr 1988, auf den ich nicht vorbereitet war, den ich überhaupt nicht für möglich gehalten hatte. Heute sehe ich diese schlimme Erfahrung als eines der Fundamente meiner langjährigen Abstinenz. Bereits 1987 war in Schirgiswalde eine kleine therapeutische Gruppe von Alkoholabhängigen entstanden, an der ich vor meinem Rückfall teilgenommen hatte. Sie halfen mir bei der Überwindung meines Rückfalles, insbesondere weil mich 2 Gruppenmitglieder nach meiner Entlassung aus dem Krankenhaus zu einem Urlaub an den Senftenberger See mitnahmen.
So festigte sich erneut mein Willen zu einem Leben ohne der Droge Alkohol und die Teilnahme an der therapeutischen Gruppe erschien mir immer hilfreicher bei der Gestaltung meines Lebens ohne Alkohol.
Es kam die „Wende“ und vor uns stand die Frage, wie es mit unserer kleinen Gruppe weitergehen sollte. Wir beschlossen 1990 die Gründung unseres Selbsthilfevereines, da wir die Bedeutung der „Hilfe zur Selbsthilfe“ erkannt hatten. Mir persönlich wurde im Selbsthilfeverein von Anfang an Verantwortung übertragen und ich habe diese Entscheidung, beim Aufbau und der ständigen Weiterentwicklung unseres Selbsthilfevereins mitzuwirken, nie bereut. Die unzähligen persönlichen Begegnungen und Gruppengespräche mit Betroffenen haben mir Anregungen, Kraft und Mut gegeben, meine eigene Abstinenz zu bewahren und zu festigen.
Ich empfinde die Entwicklung und Festigung einer dauerhaften, zufriedenen Abstinenz als einen ständigen Prozess, der auch Zweifel an der Richtigkeit des gewählten Weges nicht ausschließt, Höhen und Tiefen beinhaltet und ich habe erlebt, das aus der Bewältigung dieser Probleme neue Kraft wächst
Bereits 1992 suchten und fanden wir Kontakt zu einer Selbsthilfegruppe in den alten Bundesländern und daraus entstand unsere Partnerschaft und Freundschaft mit Euch, liebe Freundinnen und Freunde des Freundeskreises Lage e.V.
Den 15. Jahrestag der Unterzeichnung unserer Partnerschaftsvereinbarung wollen wir in diesem Jahr bei unserem Besuch im Lipperland festlich würdigen.
Meine 20- jährige Abstinenz ist also auch untrennbar mit den fast 16 Jahren des Entstehens und der Entwicklung unserer Freundschaft verbunden. Dieser Erfahrungsaustausch, das Knüpfen vieler persönlicher und freundschaftlicher Beziehungen ist untrennbar verbunden mit meinem Weg zu einer zufriedenen Abstinenz und ich wünsche mir, das diese Beziehungen mich und meine Frau noch viele Jahre begleiten und unser Leben bereichern mögen.
Ich bin überzeugt davon, das unsere Partnerschaft auch neue Erkenntnisse, Impulse und Anregungen in unsere Gruppenarbeit eingebracht hat und damit nicht nur zur Festigung meiner Abstinenz sondern bei vielen Mitgliedern unsere Freundeskreise beigetragen hat.
Noch einmal möchte ich allen danken, die mich auf dem Weg zu einer zufriedenen dauerhaften Abstinenz begleitet und unterstützt haben von Herzen danken. In Abwandlung eines wichtigen Leitspruches der Selbsthilfe kann ich Heute sagen:
„Ich allein habe es geschafft - aber allein hätte ich es nicht geschafft“
Dieter Sonnleitner


© o l a f - b o s c h
. d e